In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder Lesetipps zur Literatur abgegeben: Darunter viel Sachliteratur, gelegentlich auch etwas Belletristik. Heute möchte ich den Horizont öffnen und meiner Schwäche für Spionage- und Agententhrillers frönen. Es brauchte einige Zeit, bis ich mir das Lesen von Unterhaltungsliteratur eingestehen konnte, obwohl ich als Jugendlicher viel lieber einen Roman von Karl May las als die übliche Pflichtlektüre in der Schule. Als Lehrperson sagte ich meinen Schülern stets, dass lesen wichtig sei, egal welche Art von Texten. Gerade die Jungs waren mehrheitlich von Sachbüchern fasziniert als von Mädchenromanen mit Pferden, Hunden usw. So begann ich in späteren Jahren mit dem Lesen von Thrillern, die in der Regel einen realen Hintergrund besitzen, d.h. die Geschichte ist zwar fiktiv, der Held und die Heldin ebenfalls, das zeitliche und örtliche Umfeld jedoch entstammt der Wirklichkeit. Mit der Zeit ergab es sich, dass ich einige der Titel auf Deutsch, andere auf Französisch oder Englisch gelesen habe. Unterstehend erwähne ich also jene drei Serien, die es mir angetan haben und von denen ich bis heute eine Vielzahl gelesen habe. Nur im letzten Abschied komme ich zu einer Neuentdeckung!
Jack Reacher, der Held der Reacher-Romane von Lee Child (*1954), ist Ex-Militärpolizist und löst seine Fälle im Alleingang. Die Bücher sind zwar vom Aufbau her sehr ähnlich, das Hauptthema und der reale Hintergrund unterscheiden sich jedoch stark voneinander. Die “Good boys vs. bad boys” Thematik findet sich in allen Werken wieder. Schliesslich gelingt es der One-man-army Reacher aber immer, die Bösen auszuschalten und den Guten zum Sieg zu verhelfen. Der Challenge besteht für mich darin, diese Romane auf Englisch zu lesen. Mit der Zeit eignet man sich das nötige Vokabular an und versteht auch die typische Sprache der Army inkl. Abkürzungen so gut, dass man sich daran nicht mehr aufhalten muss. Lee Child schreibt neben den Romanen auch Kurzgeschichten, die in einem Sammelband erhältlich sind.
Die zweite Serie heisst “SAS” und stammt vom französischen Autor Gérard de Villiers (1929 – 2013). Im Unterschied zu den Thrillers von Lee Child spielen sie überall auf der Welt und sie sind von tatsächlichen politischen Begebenheiten und Ereignissen geprägt. Der Held Marko Linge entstammt einer adligen Familie aus Österreich und wird regelmässig von der CIA für heikle Operationen angeheuert. Das Geld, das er dabei verdient, dient der Renovation und Sanierung seines Schlosses in der Nähe von Wien. Ausserdem lässt es sich nicht verheimlichen, dass er ein ausgesprochener Frauenheld ist. Auch in dieser Serie stehen die Guten den Bösen gegenüber, aber die Geschichten haben nicht immer an Happy End. Zwar überlebt der Held manchmal auf wundersame Weise, aber die realen Tatsachen weisen die fiktiven Elemente mal für mal in die Schranken. Diese Bücher geben mir Gelegenheit, mein Französisch à-jour zu halten, aber auch hier braucht es eine gewisse Zeit, bis man den entsprechenden Wortschatz gespeichert hat.
Meine Neuentdeckung innerhalb des Genres der Spionagethrillers bildet eine Serie, die noch weit weniger umfangreich ist als die ersten beiden. Entdeckt habe ich sie auf der Webseite des Buchverlags Fontis, der in erster Linie christlich-religiöse Titel vertreibt. Die beiden israelischen Autoren Amit Tsarfati und Steve Yohn besitzen beide journalistische und schriftstellerische Erfahrungen, Tsarfati war überdies ehemaliger Major der IDF (Israelische Verteidigungsstreitkräfte). Dadurch fliesst sehr viel Wissen in die teils komplizierten Vorgänge einer verdeckten Operation ein, die nur Insider kennen können. Auch in diesen Bücher sind die Hauptfiguren fiktiv, aber der Hintergrund ist real und die politischen Vorgänge entspringen der Wirklichkeit. Den ersten Roman, “Operation Joktan” habe ich auf Deutsch gelesen, zwei weitere habe ich im Internet auf Englisch gefunden. Die für den Mossad tätigen Agenten sind ein Mann und eine Frau, die ein unschlagbares Team darstellen. Klar ist auch hier, dass sie als die Guten gegen all die Bösen kämpfen. Im Unterschied zu den ersten beiden Serien finden sich im Text aber immer wieder Abschnitte, in denen die Figuren über ihr Leben, ihren Auftrag und auch ihre innere Haltung reflektieren. Das gibt den Geschichten eine zusätzliche menschliche Dimension, die man in diesem Genre nicht erwartet.
Wer also mit etwas Spannung und Action durchs neue Jahr gleiten möchte, dem sei sozusagen als Versuch einer dieser Titel von Herzen empfohlen. Aber Achtung: Alle drei Serien haben Suchtpotenzial und dafür übernehme ich keinerlei Verantwortung! Ich wünsche jedoch wie immer viel Spass beim Lesen und freue mich auf eure Rückmeldungen und Kommentare.
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