Wenn man nach einem mehr­wö­chi­gen Time­out im kana­di­schen Busch wie­der in die Schweiz zurück­kehrt, ist anfäng­lich vie­les nicht mehr so wie vor­her. Das heisst, es ist zwar alles so wie gehabt, aber man hat sich sel­ber der­art ent­fernt von der Hek­tik und dem Stress des Schwei­zer All­tags, dass man sich nichts sehn­li­cher wünscht, als wie­der im Busch abzu­tau­chen. Sitzt man am Nach­mit­tag auf der Veran­da der Lodge, ver­nimmt man im Yukon, dem Ter­rito­ry im Nord­wes­ten Kana­das, ein­zig und allein das sanf­te Plant­schen der Wel­len des nahen Sees sowie Vogel­ge­zwit­scher, beglei­tet vom lei­sen Rau­schen des Winds in den Tan­nen rund ums Block­haus. Wenn ich hier auf dem Bal­kon sit­ze, stö­ren mich ver­schie­de­ne Geräu­sche wie die Moto­ren der Flug­zeu­ge, der Bau- und Land­wirt­schafts­ma­schi­nen, das Rau­schen der nahen Auto­bahn, und gele­gent­lich auch Kin­der­ge­schrei. Lärm, wel­chen ich vor der Aus­zeit in der Stil­le und Ruhe der Natur kaum wahr­ge­nom­men habe.

«Der Mensch ist ein Gewohn­heits­tier» – eine Rede­wen­dung, die man uns schon in jun­gen Jah­ren bei­gebracht hat. Mag die­ser Satz in vie­len Lebens­si­tua­tio­nen sei­ne Berech­ti­gung haben. Viel­leicht ent­hält er sogar einen Kern Wahr­heit, wenn es ums Über­le­ben geht. Denn wie könn­te ein Mensch aus der vor­in­dus­tri­el­len Zeit in unse­rer heu­ti­gen Welt über­le­ben? Die Geschwin­dig­keit, mit der wir heu­te leben, zeigt sich in allen Berei­chen. Sogar die Kom­mu­ni­ka­ti­on wird dau­ernd schnel­ler. Wie anders erklä­ren wir uns sonst die vie­len Leu­te, wel­che, den Blick starr auf ihre Han­dys gerich­tet, durch die Stadt bzw. das Dorf mar­schie­ren? «Eile mit Wei­le» gilt nicht mehr. Unser All­tag gleicht immer mehr jenem olym­pi­schen Aus­spruch, wel­cher zu Höchst­leis­tun­gen antreibt: «Schnel­ler, höher, wei­ter!»

Dass eine sol­che Lebens- und Arbeits­ein­stel­lung unse­re Gesell­schaft zuneh­mend krank macht, ist unbe­streit­bar. Von der Über­for­de­rung bis zum tota­len Bur­nout ist es nicht weit. Gön­nen wir uns zwi­schen­durch wirk­li­che Aus­zei­ten – es muss ja nicht unbe­dingt in Kana­da sein …

Spät­som­mer­li­che Grüs­se

Peter Joos

PS: Wer Lust auf ein Time­out im Yukon hat, dem emp­feh­le ich von Her­zen einen Auf­ent­halt in der Litt­le Atlin Lodge am Litt­le Atlin Lake von Fami­lie Andri und Rahel Kobler mit Sohn Lukas. Eine bes­se­re Gast­ge­ber­fa­mi­lie kann man sich nicht vor­stel­len!

Litt­le Atlin Lodge, Yukon